Ein Ingenieurbüro plante kürzlich ein fünfgeschossiges Wohn- und Geschäftshaus nahe der Neusser Innenstadt, nur wenige hundert Meter vom Rhein entfernt. Das Projekt steckte in der Genehmigungsphase fest: Für den Standort mit seinen quartären Lockersedimenten und Auelehmen verlangte die Bauaufsicht einen rechnerischen Nachweis der Bodenklasse nach DIN EN 1998-1/NA. Bohrungen allein reichten nicht, weil die dynamischen Steifigkeiten im oberflächennahen Bereich unklar blieben. Genau an diesem Punkt setzen wir mit der seismischen Mikrozonierung an: Unser Messfahrzeug stand am nächsten Morgen auf dem Grundstück, und innerhalb von vier Stunden hatten wir das vollständige Scherwellenprofil bis in 30 Meter Tiefe erfasst. Der VS30-Wert lag bei 210 m/s – das bedeutete Bodenklasse C und damit klare Vorgaben für den rechnerischen Nachweis der Gründung. Seither begleiten wir regelmäßig Neubauvorhaben zwischen den Rheinterrassen und dem Stadtwald mit aktiver Seismik, weil die Baugrundverhältnisse hier auf kurzer Distanz wechseln und vereinfachte Annahmen schnell in die Irre führen.
Die MASW-Methode ist das einzige nicht-invasive Verfahren, das ein kontinuierliches Vs-Tiefenprofil liefert – unverzichtbar für die realistische Einstufung in Bodenklassen nach DIN EN 1998-1.



