Der Untergrund in Neuss erzählt die Geschichte des Rheins. Unter dem Quartier am Hafen stoßen wir oft auf holozäne Auelehme, während die Niederterrasse im Bereich der Furth sandig-kiesige Pakete bereithält, die schon die Römer für ihre Siedlung Novaesium zu schätzen wussten. Diese Vielfalt macht die Plattengründungsbemessung hier zu einer echten Ingenieuraufgabe: Eine Bodenplatte, die auf schluffigem Auelehm mit steifplastischen Tonlinsen lagert, verhält sich völlig anders als eine Gründung auf den mitteldichten Terrassenkiesen um Selikum. Wir lesen aus den Baugrundaufschlüssen nicht nur Kennwerte ab, sondern interpretieren den geologischen Fingerabdruck, den der Fluss über Jahrtausende hinterlassen hat. Bevor der erste Kubikmeter Beton fließt, muss das Bettungsmodul stimmig sein und die Lastausbreitung den heterogenen Schichten gerecht werden – sonst rächt sich der Rheinboden mit ungleichen Setzungen.
In Neuss entscheidet der rheinische Schichtenwechsel zwischen Auelehm und Terrassenkies über den Erfolg einer Bodenplatte.



